Schlagwort: Wohlwollen

Gut genug

Wir alle  tragen wir alle in uns das Wissen, was Kinder brauchen, um sich geliebt, sicher und geborgen zu fühlen. Auf dem achtsamen Weg Kinder zu begleiten bemerken wir manchmal, wie schwierig und unpassend es sein kann, sich an äußeren Massstäben zu orientieren – und wie unkompliziert vieles wird, wenn wir einfach mit dem sind, was aus uns selbst heraus in diesem gegenwärtigen Augenblick möglich ist.

Messlatten und Maßstäbe sind nicht das Hier und Jetzt. Wenn wir uns zu sehr an ihnen orientieren kann es schnell passieren dass wir glauben, perfekt sein zu müssen. Wir orientieren uns dann an Idealen und glauben, andere wären besser. Das macht uns alle unglücklich. Auf dem Weg der Achtsamkeit können wir lernen, dass wir und unsere Kinder nicht perfekt sein müssen. Einfach mit und für einander da zu sein und gemeinsam zu wachsen ist schon gut genug.

Fehler machen

Auf der Welt und lebendig zu sein heißt, zu lernen und zu wachsen. Lernen und Wachsen aber ist mit Irrwegen und Fehlern verbunden. Wir alle machen Fehler, weil unsere Erfahrungen oder unser Wissen noch nicht ausreichen, um anders mit einer Situation umzugehen. Manchmal geht es auch an einem bestimmten Punkt nicht weiter, wir halten an Urteilen und Vorstellungen fest oder es fehlt an der Möglichkeit, die ganze Situation zu überschauen.

Eine alte Geschichte erzählt von fünf blinden Gelehrten, die von ihrem König beauftragt wurden herauszufinden, was ein Elefant ist. Die fünf wurden also zu einem Elefanten geführt und jeder von ihnen ertastete einen Teil des Tieres. Zurück beim König wurden sie befragt und jeder der Gelehrten war überzeugt davon, die Wahrheit herausgefunden zu haben. Der Erste hatte das Ohr des Tieres ertastet und begann: „Der Elefant ist wie ein großer Fächer“. Der Zweite hatte den Rüssel berührt, und widersprach: „Nein, er ist ein langer Arm.“
Der Dritte hatte den Schwanz des Elefanten ergriffen und war überzeugt: „Ein Elefant ist ein Seil mit Haaren am Ende!“. „Er ist eine dicke Säule!“, berichtete der vierte Gelehrte, der das Bein ertastet hatte. Der fünfte schließlich, der unter dem Bauch des Elefanten gesessen hatte war sich sicher:  „Der Elefant ist wie eine riesige Höhle.“

Wir, die wir die ganze Geschichte jetzt kennen, würde keinem der Blinden vorwerfen, einen Fehler gemacht zu haben. Wir erkennen: keiner von ihnen konnte den ganzen Elefanten sehen und jeder von ihnen erkannte seinen besonderen Teil der Wahrheit. Wie oft aber gehen wir mit uns selbst, mit anderen, besonders mit unseren Kindern, ganz anders um. Wie oft geben wir uns oder anderen die Schuld, wie oft beschämen wir uns und andere, unterstellen Absicht, Dummheit oder Nachlässigkeit.

Eigene Fehler und die Fehler anderer als kostbare Erfahrungen anzuerkennen, ohne reflexhaft zu beschuldigen und ohne reflexhaft wegzuschauen verlangt Einsicht, Mitgefühl und Geduld. Nur wenige Menschen sind in der Lage, mit freundlicher Präsenz bei sich selbst zu sein und sich selbst nicht im Stich zu lassen, wenn sie einen Fehler gemacht haben.

Wohlwollend und geduldig mit unseren eigenen Fehlern und denen unserer Kinder umzugehen bedeutet nicht, alles als gut und richtig zu bewerten. Manchmal müssen wir uns selbst oder andere auch vor unpassendem, verletzendem Verhalten schützen, manchmal braucht es klare Worte oder entschlossenes Handeln. Und doch können wir uns eingestehen, dass wir nicht alles wissen können. Letztlich brauchen wir alle Raum und Möglichkeiten, um aus Fehlern zu lernen, anderes auszuprobieren und uns weiterzuentwickeln.